Elektromagnetischer Schwingkreis mit langsamer und sichtbarer Schwingung
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Versuchsziel
Elektromagnetische Schwingkreise sind für SuS häufig abstrakt und unanschaulich.
Die SuS sollen durch diesen Versuch besser in der Lage sein, den zeitlichen Verlauf von elektromagnetische Schwingungen zu beschreiben.
Dabei sollen sie benennen können:
wie groß die Phasenverschiebung von und an den jeweiligen Bauteilen ist (90° an der Spule, -90° am Kondensator, 0° am Ohmschen Widerstand)
dass die Schwingung aufgrund der Ohmschen Widerstände gedämpft ist (Amplituden von und fallen mit der Zeit)
wie die Strom- und Spannungsmessgeräte eingestellt werden sollen (Gleichstrom statt Wechselstrom, Zeiger mittig, Messbereich gleich der maximalen Auslenkung , bzw. )
welchen Einfluss das Erhöhen der Kapazität / Induktivität auf die Schwingung hat (beide vergrößern Periodendauer, Induktivität verringert zusätzlich Dämpfungskoeffizienten)
Material
Spannungsquelle (regelbar)
Spule mit möglichst hoher Induktivität (hier und Innenwiderstand )
Kondensator mit möglichst hoher Kapazität (hier zwei Stück mit jeweils )
Ampèremeter (analog, Gleichstrom, regelbarer Messbereich)
Voltmeter (analog, Gleichspannung, regelbarer Messbereich)
Verbindungskabel
Dreipunktschalter (Umschalter)
Die Messgeräte sollten möglichst große Anzeigetafeln und Zeiger in Mittelpunktlage haben.
Versuchsaufbau
Die vollständige Schaltung ist in der Schaltskizze gezeigt.
Zuerst wird wie auf dem ersten Foto der Schwingkreis aus Spule und Kondensator, sowie der Ladestromkreis aus Spannungsquelle und Kondensator aufgebaut. Durch einen Umschalter soll zwischen Ladestromkreis und Schwingkreis hin- und hergeschaltet werden können.
Nach Bedarf wird wie auf dem zweiten Foto ein zweiter Kondensator (oder mehrere) parallel zum ersten dazugeschaltet, um die Periodendauer zu verlängern. Weitere in Reihe geschaltete Spulen verlängern ebenfalls die Periodendauer, bringen allerdings Ohmschen Widerstand mit sich.
Zuletzt werden wie auf dem dritten Foto die Messgeräte in den Schwingkreis eingebaut (Ampèremeter in Reihe, Voltmeter parallel zur Spule).

Abb. 1
Die Spannungsquelle kann parallel zur Spule, oder zum Kondensator geschaltet werden, bei diesem Aufbau macht es (abgesehen vom Einfluss des Ampèremeters) keinen Unterschied, da beide Seiten auf einem Potential liegen.

Abb. 2
Hier ist nur der Schwingkreis mit einem Kondensator und ohne Messgeräte gezeigt. Der Schalter (Ladestromkreis / Schwingkreis) befindet sich am Kondensator über der "40 µF" Anzeige.

Abb. 3
Hier ist der Schwingkreis mit einem zweiten, parallel geschalteten Kondensator gezeigt. Die Kapazitäten addieren sich gemäß C=C_1+C_2. Hier hat das den Zweck, die Periodendauer zu erhöhen.

Abb. 4
Hier ist der Schwingkreis mit beiden Kondensatoren und Messgeräten gezeigt. Hier ist der Voltmeter parallel zur Spule geschaltet, allerdings befinden sich Spule und Kondensator jeweils auf dem gleichen Potential, sodass auch parallel zum Kondensator geschaltet werden kann.




Durchführung
Die Spannungsquelle wird angeschaltet und der Umschalter so eingestellt, dass der Kondensator geladen werden kann.
Nachdem der Ladevorgang abgeschlossen ist, wird der Schalter umgelegt, sodass der Schwingkreis geschlossen wird.
Unmittelbar nach dem Schließen des Schwingkreises werden die Anzeigen für Stromstärke und Spannung beobachtet.
Der Versuch wird mehrmals wiederholt, ggf. mit unterschiedlichen Kapazitäten / Induktivitäten / Widerständen.
Zusatz:
Die Periodendauer / Frequenz lässt sich hier leicht mit einer Stoppuhr ermitteln (am besten sowohl für , als auch für ) und mit dem theoretischen Wert vergleichen (). Das Messen kann auch spielerisch mit Hilfe einer Metronom-App durchgeführt werden (siehe "Tipps und Tricks").
Beobachtung
Nach dem Umlegen des Schalters, wenn der Schwingkreis geschlossen wird, sieht man eine periodische Bewegung der Zeiger, deren Amplitude mit der Zeit verklingt.
Die Schwingung ist langsamer, wenn mehrere Kondensatoren, bzw. mehrere Spulen verwendet werden, bei mehreren Spulen sinkt allerdings die Amplitude.
Die Zeiger bewegen sich mit der gleichen Frequenz (siehe Messung mit Metronom-App), aber in der Phase um verschoben (tatsächlich etwas weniger wegen , aber Abweichung bemerkbar ab k-Bereich).
Ergebnis
Die Schwingung im elektromagnetischen Schwingkreis lässt sich stark genug verlangsamen, dass man sie in Echtzeit beobachten kann.
Die Schwingung klingt aufgrund des ohmschen Widerstands der Kabel / der Spule ab.
Die Periodendauer der Schwingung hängt von der Kapazität des Kondensators und der Induktivität der Spule ab.
Die Phasenverschiebung zwischen Stromstärke und Spannung in einem freien Schwingkreis beträgt und wird bei stärkerer Dämpfung geringer.
Tipps und Tricks
Vor der Durchführung sollten Quellspannung (Ladespannung) und Messbereiche für und so eingestellt werden, dass die Auslenkung zu Beginn der Schwingung den Messbereich vollständig ausnutzt. So ist die beste Sichtbarkeit gewährleistet. Aufgrund der Ohmschen Widerstände kann hier für das Voltmeter nicht angenommen werden, man muss ausprobieren!
Die Zeiger der Messgeräte sollten mittig ausgerichtet sein. Idealerweise sollte auch die Messskale mittig ausgerichtet sein, allerdings sind hier die genauen Werte nicht entscheidend.
Die Bewegung der Zeiger lässt sich besser vergleichen, wenn die Messgeräte übereinander statt nebeneinander stehen.
Mathematische Zeigerdiagramme für Impedanzen gelten für erzwungene Schwingungen und sind damit nicht für den freien Schwingkreis anwendbar.
Die Messung der Periodendauer / Frequenz kann spielerisch mit Hilfe einer Metronom-App (zB. "Metronome Beats", siehe Bild) erfolgen. Hier muss der Modus "Tap tempo" (de: "Tippen Sie das Tempo") verwendet werden und getippt werden, wenn der Zeiger zB. außen links ankommt. Diese Methode ist eine spannende Abwechslung und der/die Musiklehrer*in ist dankbar für die kleine Rhythmus-Übung :)

Abb. 5
Der Modus "Tap tempo" befindet sich unten rechts: Einfach im nötigen Tempo auf das Trommel-Symbol tippen.